„Net geschennt is a globt“…. auf Hochdeutsch bedeutet das so viel wie :“Nicht geschimpft/kritisiert ist auch gelobt“. Ich bin im Unterfränkischen aufgewachsen und habe diesen Spruch ziemlich häufig gehört. Sicher kennt jedoch jeder von uns diese Sprüche – wenn ich nichts sage, passt das schon – etc..
In der heutigen schnelllebigen Geschäftswelt wird oft über die verschiedenen Aspekte der Führung diskutiert – von Strategieentwicklung bis hin zur Teammotivation. Ein oft übersehener Faktor ist die Anerkennung. Ich meine die aufrichtige, ehrliche Anerkennung, ohne Hintergedanken und Manipulation. Diese Form der Anerkennung stärkt das Vertrauen zwischen Führungskraft und Mitarbeiter. Es geht dabei darum, den Menschen zu sehen und wertzuschätzen, seine Leistung zu würdigen und nichts dafür zu erwarten. Die Anerkennung sollte ein Geschenk sein, ein Geschenk das keine Gegenleistung fordert. Menschen haben eine sehr gute Intuition bei diesen Dingen. Lob, das gezielt ausgesprochen wird um den anderen zu etwas zu bringen z.B. eine Aufgabe zu übernehmen oder Mehrleistung zu erbringen fühlt sich in der Regel nicht besonders gut an. Man fühlt sich „durchgelobt“ und manipuliert und wartet quasi schon auf das „aber“. Jedem von uns fällt dazu sicherlich ein gutes Beispiel ein.
Wie jedoch verhält es sich mit ehrlicher Wertschätzung? Die große Kunst der Führungskraft ist es hierbei den gesamten Menschen wahrzunehmen. Dies erfordert Zeit und eine bewusste Fokussierung auf das Positive im Gegenüber. Die eigene positive Grundhaltung ist hier maßgeblich beteiligt. Auch sind die eigenen Maßstäbe hierbei nicht ausschlaggebend. Was wir für uns als völlig normal und grundlegend ansehen kann für unser Gegenüber schon eine große Leistung sein. Es geht zeitweise darum, auch kleine Verbesserungen wahrzunehmen und diese anzuerkennen. Oftmals sind es auch die persönlichen Eigenschaften die absolut erwähnenswert sind. Menschen im Team die sich als besonders hilfsbereit, fürsorglich oder besonders umsichtig erweisen. Menschen die durch ihre fröhliche, ausgeglichene Art für ein gutes Klima im Team sorgen, all dieses ist nicht selbstverständlich und darf durchaus lobend anerkannt werden.
In einem meiner Trainings geht es um aufrichtige Anerkennung. Dabei sind die Teilnehmer dazu angehalten allen Anwesenden eine qualifizierte Anerkennung zu geben. Dies erfolgt schriftlich, auf kleinen dafür vorgesehenen Kärtchen. Im besten Fall bekommt jeder Teilnehmer so bis zu 40 kleine Kärtchen. Ich bin jedes mal wieder erstaunt und gerührt über die Atmosphäre an diesem Kurstag und es ist unglaublich wie viele unterschiedliche, nennenswerte Dinge auf diesen Kärtchen stehen. Es ist für jeden Teilnehmer wie ein kleiner Schatz. Teilnehmer die ich manchmal nach Jahren wiedersehe berichten mir das sie genau diesen Schatz immer noch aufbewahren. Auch ich bekomme hin und wieder ein Kärtchen von einem Teilnehmer zugesteckt. So hat sich im Laufe der Jahre auch bei mir ein kleiner Schatz angesammelt und ich nehme diese Kärtchen immer mal wieder zur Hand. Die Motivation die ich daraus ziehe ist mit Geld nicht zu bezahlen.
Insgesamt ist Anerkennung ein wesentlicher Bestandteil effektiver Führung. Führungskräfte die die Bedeutung der Anerkennung verstehen und sie aktiv in ihre Führungspraktiken integrieren schaffen nicht nur eine positivere Arbeitsumgebung, sondern motivieren auch ihre Mitarbeiter ihr Bestes zu geben und zum Erfolg des Unternehmens beizutragen. Konzentrieren Sie sich auf eine Eigenschaft, einen zu erwähnenden Fortschritt, finden Sie ein Beispiel an dem Sie dieses festmachen können und legen Sie los. Fortschritte die gewürdigt werden tragen dazu bei eine Kultur der kontinuierlichen Verbesserung zu fördern. Zudem fördert der Fokus auf das Lobenswerte ein positives Mindset, welches die Grundlage für ein erfolgreiches, glückliches Leben darstellt. Das Loben wirkt sich also nicht nur auf den Empfänger positiv aus sondern ist auch ein Gewinn für den Geber. Es ist ein Geschenk, das beide erfreut.
Viel Spaß beim verschenken!

Tadeln ist leicht, deshalb versuchen sich so viele darin.
Mit Verstand loben ist schwer, darum tun es so wenige.
Anselm Feuerbach

